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3 months ago

Einsatz in Gedenken an die Nossener KZ-Opfer

Ein etwas trostloses Bild gab in letzter Zeit die Grab- und Gedenkstätte für die Opfer des Konzentrationslagers Nossen-Zellwald auf dem Nossener Friedhof ab. Zwei Dürresommer hatten der Bepflanzung teilweise stark zugesetzt. Aus der Einwohnerschaft wurde die Bitte an die örtliche SPD herangetragen, sich der Sache anzunehmen.

Christian Bartusch

Christian Bartusch

Stadt- und Kreisrat

Im Ortsverein Meißen und Umgebung, der auch die Stadt Nossen abdeckt, stieß dieses Ansinnen auf offene Ohren. Zu ihrem diesjährigen Arbeitseinsatz rückten die Freiwilligen mit Astschere, Spitzhacke und Spaten an, um das Areal wieder herzurichten. Nach mehreren Stunde war das Werk vollbracht: Rosen haben nun die Stelle der abgestorbenen Koniferen eingenommen, die Sträucher wurden verschnitten und Pelargonien in der Mitte der Anlage gepflanzt.

Eine kleine Pflanzschale schmückt zudem den Stein für jene 87 Opfer des KZ Nossen-Zella, die hier begraben liegen. Ihr Grab erinnert an ein düsteres Kapitel der Stadtgeschichte: Ende Oktober 1944 wurde in der ehemaligen Klostermühle ein Außenlager des KZ Flossenbürg eingerichtet. Die Häftlinge lebten die ersten Monate unter menschenunwürdigen Bedingungen im Keller des alten Gebäudes, in dem kurz zuvor die Rüstungsfabrik des bekannten Luftwaffentestpiloten Erich Warsitz eingerichtet wurde. Die Gefangenen mussten hier Munitionshülsen fertigen. Ein Teil der Häftlinge wurde täglich nach Roßwein transportiert, wo sie in den EBRO-Werken in Zwangsarbeit Flugzeug- und V-Waffenteile für die Luftwaffe herstellen mussten. Außerdem wurden die Häftlinge zur Errichtung des eigentlichen Konzentrationslagers eingesetzt.

Auch mit dem Umzug in das Barackenlager am Talbad im Februar 1945 verbesserten sich die Lebensbedingungen der Gefangenen nicht wesentlich. Die Gedenkstelen auf dem Friedhof lassen erkennen, dass ein Großteil der Todesopfer in den letzten beiden Monaten vor der „Evakuierung“ des Lagers zu beklagen war. Die meisten von ihnen fielen den schlechten Arbeitsbedingungen und der verheerenden Versorgungslage zum Opfer. Hier zeigte sich das durch die Nationalsozialisten in den Konzentrationslagern verfolgte Prinzip, die Gefangenen durch die bewusst herbeigeführten Arbeits- und Lebensbedingungen zu töten.

Bei der Mehrheit der KZ-Häftlinge in Nossen handelte es sich um sowjetische und polnische Kriegsgefangene, aber auch rund 100 jüdische Ungarn waren in Zella interniert. Rund jeder sechste Gefangene kam ums Leben. “Es ist beklemmend, dass in so kurzer Zeit rund 100 Menschen zu Tote gequält wurden. Diese Geschichte hält uns die Folgen vor Augen, die sich auf kurz oder lang aus der Missachtung der Menschenrechte ergeben.”, bemerkt Susann Rüthrich, Bundestagsabgeordnete aus Gauernitz.

Diesem Gedenken hat die SPD Meißen und Umgebung ihren diesjährigen Arbeitseinsatz gewidmet. Sehr erfreulich ist die positive Resonanz aus der Bevölkerung. Unser besonderer Dank gilt der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde sowie der Friedhofsverwaltung für die unkomplizierte Abstimmung und das entgegengebrachte Vertrauen. Die SPD wird nun dauerhaft die Pflege der Anlage übernehmen.

Culture

Nossen, Deutschland